Sitzprobe - Interview-Simulator für die, die Jobs besetzen

Geschäftsidee: Der Bewerber übt seit einer Woche für das Bewerbungsgespräch. Die Führungskraft hat den Lebenslauf 2 Minuten vorher gelesen.

Autor

Alexander Mrozek

🍏 Was ist die Idee?

Bewerber bereiten sich tagelang auf das Gespräch vor. Die Führungskraft gegenüber liest den Lebenslauf zwei Minuten vorher im Aufzug.

Und dann trifft genau diese Person eine Entscheidung über mehrere hunderttausend Euro Personalkosten. Auf Basis eines Bauchgefühls, das nachweislich kaum besser prognostiziert als ein Münzwurf.

Sitzprobe ist ein KI-Simulator, mit dem Unternehmen die Leute trainieren, die ihre Bewerbungsgespräche führen. Die KI spielt den Bewerber – den Redseligen, den Ausweichenden, den Überqualifizierten, den, der auf Provokation wartet. Die Führungskraft führt das Gespräch. Danach kommt die Auswertung, und die prüft zwei Dinge gleichzeitig: Hast du strukturiert gefragt, also allen Kandidaten dieselben Fragen mit derselben Bewertungsskala? Und hast du dich rechtlich verlaufen, z.B. nach einer Schwangerschaft oder nach der Mitgliedschaft in der Gewerkschaft gefragt?

Für HR-Leitung heißt das: Jede Führungskraft, die interviewt, wird vorher geschult – nachweisbar, dokumentiert, ohne dass jemand zwei Tage in einem Seminarraum sitzt. Das schützt gegen Entschädigungsklagen und verbessert gleichzeitig die Qualität der Einstellungen.

Kurz gesagt: Flugsimulator für Bewerbungsgespräche – nur dass hier die Piloten trainiert werden, nicht die Passagiere.

🌵 Warum funktioniert's?

Das Bewerbungsgespräch ist der beste Prädiktor, den wir haben – wenn es strukturiert geführt wird. Paul Sackett hat 2022 die statistischen Korrekturen aus 50 Jahren Personalauswahlforschung neu gerechnet. Ergebnis: Nicht der Intelligenztest sagt Arbeitsleistung am besten voraus, sondern das strukturierte Interview. Sackett nennt es selbst die wichtigste Arbeit seiner Karriere. Quelle

Ohne Struktur halbiert sich die Trefferquote – und der Bias verdoppelt sich. Strukturierte Interviews kommen auf eine Prognosekraft von r = .42, unstrukturierte auf .19. Gleichzeitig zeigt dieselbe Neuberechnung rund ein Drittel weniger Verzerrung bei strukturierten Gesprächen. Und trotzdem: Nur etwa zwei Drittel der Arbeitgeber bewerten überhaupt strukturiert. Quelle

Der Gesetzgeber bezahlt die Schulung praktisch mit. § 12 Abs. 2 AGG sagt: Wer seine Leute geeignet gegen Benachteiligung geschult hat, hat seine Schutzpflichten damit erfüllt. Eine unbedachte Frage nach Schwangerschaft oder Herkunft kann dagegen bis zu drei Monatsgehälter Entschädigung kosten. Und der Kabinettsentwurf zur AGG-Reform vom Mai 2026 will die Klagefrist von zwei auf vier Monate verlängern. Quelle

💡 Wie starte ich am Wochenende?

Ein fotorealistischer Avatar ist das Letzte, was du brauchst für die Idee. So würde ich anfangen:

Samstagvormittag schreibst du das Drehbuch. Das Produkt ist nicht die KI, sondern das Bewertungsraster. Schreib eine Persona mit Claude ("Bewerberin, 34, Marketing, sympathisch, weicht bei Konflikten aus") und ein Auswertungsraster mit zwei Achsen: strukturiert gefragt ja/nein, rechtlich sauber ja/nein.

Samstagnachmittag: Stimme statt Gesicht. Ein Gespräch ohne Avatar reicht fürs Erste. Nimm ElevenLabs Agents, Vapi oder die OpenAI Realtime API. Du sprichst rein, die KI antwortet als Bewerber, am Ende hast du ein Transkript. Das Transkript lässt du durch dein Raster laufen und bekommst die Auswertung. Fertig ist der Kern des Produkts.

Sonntagvormittag für den Wow-Effekt: Für ein Verkaufs-Demo ist ein Gesicht überzeugender. Tavus kann einen Video-Avatar aus 2 Minuten Videomaterial trainieren. Alternative: HeyGen LiveAvatar.

Sonntagnachmittag kommt der wichtigste Teil: Schreib fünf HR-Leiter aus deinem Netzwerk an und biete einen bezahlten Pilot-Workshop an: 3 Führungskräfte, je ein simuliertes Gespräch, danach eine gemeinsame Auswertung. 1.500€.

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