🍏 Was ist die Idee?
In deiner Stadt ist ein Mord passiert. Du läufst jeden Tag daran vorbei und weißt es nicht.
Aktenzeichen Du ist eine Handy-App, die aus echten, historischen Kriminalfällen ein Audio-Erlebnis für Gruppen macht: Ihr bekommt eine Akte, lauft die Originalschauplätze ab und hört an jeder Station Zeugenaussagen, Indizien und Widersprüche. Am Ende müsst ihr euch auf einen Täter festlegen - und erfahrt danach, wie das Gericht damals entschieden hat.
Verkauft wird es an Gruppen mit Anlass — Junggesellenabschied, Teamevent, Geburtstag. Die zahlen heute schon 25 bis 40 Euro pro Kopf für Rätseltouren mit erfundenen Fällen.
Kurz gesagt: Aktenzeichen XY, aber du läufst mit.
🌵 Warum funktioniert's?
True Crime ist nicht Nische, es ist die Spitze. True Crime ist laut Podstars by OMR das Top-Podcast-Genre in Deutschland, und in der ma Podcast belegten zuletzt die Plätze eins bis drei ausschließlich True-Crime-Formate — Mordlust allein mit 5,34 Millionen Downloads. Das ist kein Trend von gestern: Aktenzeichen XY holte zuletzt 20,6 Prozent Marktanteil und 5,33 Millionen Zuschauer, beim jungen Publikum immer noch 17 Prozent. Eine Sendung von 1967.
https://meedia.de/news/beitrag/19233-true-crime-ist-beliebteste-podcast-kategorie.html
https://www.podcast.de/podcast-news/ma-podcast-zeit-landet-mit-true-crime-podcast-auf-platz-1
https://www.watson.de/unterhaltung/tv/733141148-aktenzeichen-xy-im-zdf-so-hoch-ist-die-aufklaerungsquote-wirklich
Der Markt zahlt schon — für die schwächere Version. Eat the World verkauft eine St. Pauli Krimi-Rätsel-Tour für rund 38 Dollar pro Person, CityGames Hamburg führt seine Gruppen per GPS zu ausdrücklich fiktiven Tatorten. Und genau da liegt der Fehler: 54 Prozent der True-Crime-Hörer sagen, die Spannung entsteht daraus, dass die Verbrechen eben nicht erfunden sind. Die Anbieter verkaufen ausgerechnet das weg, wofür die Leute kommen.
https://www.expedia.com/things-to-do/hamburg-st-pauli-krimi-ratsel-tour.a48027979.activity-details
https://citygames-hamburg.de/action-touren/krimi-tour/
https://yougov.de/entertainment/articles/41558-das-faszinosum-von-true-crime-podcasts
Die Hörer sind exakt die Leute, die Gruppenprogramm buchen. Unter den True-Crime-Hörern sind 93 Prozent Frauen, und 88 Prozent hören wirklich jede Folge ihres Lieblingspodcasts. Das ist deckungsgleich mit denen, die Junggesellenabschiede, Geburtstage und Teamtage organisieren. Du brauchst keine tägliche Nutzung — du brauchst einen Samstag im Kalender.
https://www.podcast.de/podcast-news/studie-93-prozent-der-true-crime-hoerer-sind-frauen
https://www.seven.one/documents/20182/6304763/Seven.One_Audio_True-Crime-Studie_2022.pdf
💡 Wie starte ich am Wochenende?
Samstagmorgen: Fall finden. Du brauchst einen Fall, der alt genug ist — Faustregel 50 Jahre plus, sonst leben Angehörige und du hast statt eines Produkts ein Problem. Suchen kannst du in den digitalisierten Zeitungsarchiven der Staatsbibliothek Berlin (ZEFYS), in der Deutschen Digitalen Bibliothek und im Landesarchiv deiner Stadt. Am schnellsten geht es aber offline: Ruf im lokalen Kriminalmuseum oder beim Stadtarchiv an und frag nach dem Fall, den alle kennen und niemand erzählt. Du brauchst genau einen.
Samstagmittag: Route ablaufen. Fünf bis sieben Stationen, 90 Minuten zu Fuß, keine Autofahrt dazwischen. Stationen in Google My Maps setzen — kostenlos, exportierbar, reicht völlig. Wichtig: Lauf die Strecke wirklich ab. Am Schreibtisch merkst du nicht, dass Station drei eine Baustelle ist.
Samstagabend: Skript und Aufnahme. Drei bis fünf Minuten pro Station, an jeder ein Indiz und ein Widerspruch. Sprich es selbst ein, Handy reicht. Geschnitten wird in Descript — nette Randnotiz: Descript ist genau die Firma, in die Andrew Mason gepivotet ist, nachdem sein Geo-Audio-Startup Detour gescheitert war. Der Editor hat das Geo-Produkt überlebt.
Sonntagmorgen: Ausliefern, ohne zu bauen. Hier ist die Versuchung groß, eine App zu bauen. Tu es nicht. Sieben Audiodateien in einen Google-Drive-Ordner, durchnummeriert, dazu ein Blatt Papier mit Adressen und der Reihenfolge. Ein QR-Code auf den Ordner, fertig. Wenn du zehn Minuten investieren willst: die Fallakte in Canva bauen — Umschlag, Tatortfoto, Zeugenliste. Die Haptik macht mehr Eindruck als jede Web-App.
Sonntagnachmittag: Testen und töten. Erste Gruppe sind vier Freunde, gratis. Du läufst zwanzig Meter hinterher und sagst nichts. Zweite Gruppe zahlt 25 Euro pro Kopf über Lemon Squeezy. Kommt keine zweite Gruppe zustande, weil dir niemand aus dem Freundeskreis eine echte Empfehlung gibt, ist die Idee tot und du hast ein Wochenende verloren. Läuft es, baust du erst dann die Framer-Seite mit QR-Einstieg — das ist die Stelle, an der die bestehenden Anbieter mit ihrem App-Zwang systematisch schwach sind.
Kurz gesagt: Der Fall ist das Produkt, nicht die Technik. Wer am Samstag anfängt zu programmieren, verkauft am Sonntag nichts.






